Wie groß ist ein Hektar Rebfläche?

Weinberg Wein von 3 Zeilitzheim Stammheim

Ich werde bei Weinverkostungen oft gefragt, wie groß die Rebfläche ist, die wir bewirtschaften. Die Antwort ist ganz einfach: Derzeit sind es ca. 2,3 ha (Hektar). Dennoch merke ich, dass diese Information vielen nicht viel weiter hilft. Wer sich mit der Landwirtschaft nicht groß auskennt, ist es einfach nicht gewohnt Flächen in Hektar zu bemessen. Ich komme selbst noch manchmal ins Schleudern bei der Umrechnung von Flächen, gerade wenn zusätzlich zum Hektar noch Flächenmaße im Gespräch verwendet waren, die früher geläufiger waren (wie Ar oder Morgen). Hier also eine kurze Erklärung:

Ein Hektar (ha) ist eine Maßeinheit der Fläche, die 10.000 Quadratmeter umfasst (bzw. 100 Ar, das kleinere Flächenmaß von 100 Quadratmetern, also 10 x 10 Metern). Ein Hektar hat also eine Fläche von 100 mal 100 Metern.

Doch wie groß ist das im Vergleich zu anderen, vielleicht leichter vorstellbaren Maßen? Oft sagt man ein Hektar ist ungefähr so groß wie ein Fussballfeld. Meistens sind Fussballfelder jedoch etwas kleiner als ein Hektar. Laut Wikipedia ist das häufigste Maß eines Fussballfelds 68 x 105 Meter (gemäß FIFA- und UEFA- Standard), was 0,714 ha entspricht.

Verglichen mit älteren Flächenmaßen, die auf dem Land gerne noch verwendet werden, ist ein Hektar etwa 5 Morgen groß (auf Fränkisch: „Morch“). Schön ist auch die Bezeichnung „Tagwerk“, weil man sich gut vorstellen kann, welche Arbeit an einem Tag (auch flächenmäßig, je nach Arbeit) geleistet werden kann: Das Bayerische Tagwerk entspricht ungefähr einem Drittel Hektar bzw. man schafft den Hektar (angeblich) an drei Tagen. Ob das vom Ackerbau auf den arbeitsintensiven Weinbau zu übertragen ist, wage ich jedoch stark zu bezweifeln…

Ganz Franken hat rund 6.000 ha Rebfläche. Wir sind mit 2,3 ha Rebfläche also verhältnismäßig klein. Es gibt jedoch viele Winzer die, vor allem im Nebenerwerb und/oder zur Ablieferung an Winzergenossenschaften, Trauben auf noch viel kleineren Rebflächen anbauen. Die allermeisten fränkischen Weinbauern bewirtschaften jeweils unter 0,5 ha Rebfläche (2015 waren es laut Landesamt für Weinbau und Gartenbau, Link siehe unten, 2.264 von insgesamt 3.888 Weinbauern, also fast 60%). Zählt man diejenigen hinzu, die zwischen 0,5 und 1 ha Rebfläche bewirtschaften, sind es schon fast 74% aller fränkischen Weinbauern mit Rebflächen unter 1 ha. Mit unserer Fläche gehören wir zu den rund 18%, die eine Fläche zwischen 2 und 5 ha bewirtschaften.

Auch werden wir öfter gefragt, wie viele Rebstöcke wir haben. Nun, man könnte sie zählen. Einfacher ist es grob zu schätzen. Nach aktuellen Anbaumethoden (Stockabstand ca. 1,20+ m und Zeilenabstand 2 m) hat man auf einem Hektar Rebfläche ca. 4.000 Rebstöcke stehen. Bei älteren Anlagen mit 1,80 m Zeilenbreite können es auch ein paar Stöcke mehr sein, wobei es besonders dort auch öfter mal Ausfälle gibt (abgestorbene Reben). Bei 2,3 ha Rebfläche haben wir also ca. 9.000+ Rebstöcke auf gut drei Fussballfeldern Fläche.

Hintergrundinformationen:

Strukturdaten und Statistiken zum Weinbau in Franken (LWG): https://www.lwg.bayern.de/weinbau/weinrecht/066672/

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Alexander von Halem

Eigentümer des Barockschlosses Zeilitzheim in Weinfranken. Blogger, Podcaster.
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